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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 30.01.12

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Januar/2012, Seite 24

Praktische Fahrausbildung

Schulung kleinwüchsiger Menschen

Als Minderwuchs oder Kleinwuchs (Hyposomie) wird, gemessen an Alter und Geschlecht, ein primäres oder sekundäres Zurückbleiben des Längenwachstums gegenüber dem Durchschnitt einer vergleichbaren Bevölkerungsgruppe bezeichnet.


Bilder: Bernd Zawatzky

Gemeint ist das Unterschreiten des alterschronologischen Wachstums um 40 oder mehr Prozent. Das führt zu einer Erwachsenengröße bei Frauen von nicht mehr als 140 cm und bei Männern von nicht mehr als 150 cm.

Ursachen von Kleinwuchs

Kleinwuchs kann verursacht sein durch qualitativ oder quantitativ unzureichende Nahrung; auch durch Erkrankungen der hormonbildenden Drüsen, aber auch durch eine gestörte Hirnentwicklung. Weitere Ursachen können eine Enzephalopathie (Erkrankung des Gehirns), eine Chromosomenanomalie (Erbgutstörung), ein Herzfehler, Anämie (Blutarmut) und Stoffwechselleiden sein.

Zuerst: ärztliches Gutachten

Vor Beginn der Fahrausbildung ist ein ärztliches Gutachten eines Facharztes mit verkehrsmedizinischer Qualifikation einzuholen. Ebenfalls ist wegen der unterschiedlichen Körperproportionen zuerst eine Sitzprobe unerlässlich.

Des Weiteren sollte vor Beginn der Ausbildung ein amtlich anerkannter Sachverständiger für den Kraftfahrzeugverkehr (aaS) ein technisches Eignungsgutachten zur Festlegung etwaiger Auflagen und Beschränkungen erstellen.

Fahrzeugadaption

Die praktische Fahrausbildung dieser Personengruppe verlangt vom Fahrlehrer ausreichende Kenntnisse über Fahrzeugadaptionen. Bei der Umrüstung des Fahrschulwagens sind, je nach Größe der Person, Pedalverlängerung und/oder Pedalerhöhung, gegebenenfalls mit Sitz- und Bodenerhöhungen, erforderlich.


Pedalverlängerung mit Bodenerhöhung

Im Einzelfall können auch Umbauten wie bei der Ausbildung von Querschnittsgelähmten notwendig sein; z.B. Beispiel ein Handgerät zur beinlosen Bedienung in Verbindung mit einer speziellen leichtgängigen Servolenkung. Bei besonders ungünstigen Kräfteentwicklungen oder Körperproportionen muss jedoch eine individuelle Anpassung des Fahrschulwagens erfolgen. Zu bedenken ist auch ein ausreichender Abstand zum Airbag. Hier sind Sonderlösungen wie der Einsatz einer Joysticklenkung möglich. Ähnliche Fahrzeugumbauten können im Fall von Osteogenesis imperfecta erforderlich sein.


Beispiel für eine einfache Pedalverlängerung

Glasknochen
(Osteogenesis imperfecta)

Bei diesem Krankheitsbild treten Störungen im Aufbau des harten und weichen Bindegewebes mit abnormer Knochenbrüchigkeit infolge einer gestörten Kollagensynthese auf. Es handelt sich um eine genetisch bedingte Krankheit, die klinisch in unterschiedliche Krankheitsbilder eingeteilt ist.

Vor Beginn der Fahrausbildung ist ein ärztliches Gutachten von einem Facharzt mit verkehrsmedizinischer Qualifikation einzuholen. Die praktische Fahrausbildung dieser Personengruppe gestaltet sich in der Regel problemlos, da es sich um eine rein körperliche Einschränkung handelt. Bei ungünstigen Kräfteentwicklungen muss jedoch eine individuelle Anpassung des Fahrschulwagens erfolgen. Mögliche Umbaumaßnahmen für die Schulung von an Osteogenesis imperfecta leidenden Fahrschülern entsprechen jenen, die für die Ausbildung von Kleinwüchsigen und Para- oder Tetraplegikern infrage kommen.

Bernd Zawatzky
Behindertenreferent des
Fahrlehrerverbandes
Baden-Württemberg e.V.

 

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe Januar 2012

Erscheinungsdatum 15.01.2012

 

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