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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe April/2006, Seite 174

Angestellte Fahrlehrer als Tagelöhner

Günter Rau redet Klartext

 

Am 24. April 2004 wählte die Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. Günter Rau aus Geislingen für vier Jahre zum Vertreter der angestellten Verbandsmitglieder. Die FahrSchulPraxis hat den Kollegen Rau gefragt, mit welchen Problemen er seit seiner Wahl konfrontiert worden ist.


Günter Rau

FPX: Herr Rau, vor zwei Jahren haben Sie das Amt des Angestelltenvertreters übernommen. Wie oft mussten Sie während dieser Zeit aktiv werden?

Rau: Leider scheinen viele Kollegen immer noch nicht zu wissen, dass es beim Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. einen Ansprechpartner für die Angestellten gibt. Ich wurde nur selten angerufen. Von den Mitgliedern meines Kreisvereins in Göppingen wurde ich allerdings mehrfach in diversen Angelegenheiten um Rat gefragt.

FPX: Bedeutet dies, dass die meisten angestellten Fahrlehrer ganz zufrieden sind?

Rau: Absolut nicht! Für viele ist das Dasein als angestellter Fahrlehrer völlig unattraktiv. Sie versuchen einfach, die zwei Jahre durchzuhalten, und machen sich dann so schnell wie möglich selbständig.

FPX: Woran liegt das?

Rau: Dafür gibt es mehrere Gründe: Junge Kollegen erleben gelegentlich schon während des pädagogischen Praktikums, dass sie als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Ich hatte neulich Kontakt zu einem jungen Mann, der im Praktikum sein eigenes Auto zum Schulen einsetzen musste und dafür keinen Cent bekommen hat. Außerdem werden viele Kollegen auch heute noch wie Tagelöhner gegen Stundenlohn beschäftigt und sind somit gezwungen, das unternehmerische Risiko ihres Chefs mitzutragen. Garantierte Fixstundenzahlen, variable Arbeitszeitkonten und monatliches Festgehalt sind Dinge, von denen viele nur träumen können. Zugegeben, die bezahlten Stundensätze sind oft ganz okay, aber wenn die Fahrschule in den Wintermonaten wenig zu tun hat, wird der Mitarbeiter entweder entlassen oder seine Lohntüte bleibt leer. Da ist doch klar, dass der Kollege möglichst schnell eine eigene Fahrschule eröffnen möchte. Dabei wissen viele Fahrschulinhaber nicht einmal, dass sie Kurzarbeit beantragen können und die Bundesagentur für Arbeit in dieser Zeit einen Teil der Entlohnung übernimmt.

FPX: Was müsste verbessert werden?

Rau: Zunächst müsste Bewusstsein dafür entstehen, dass jeder Betrieb von zufriedenen, motivierten Mitarbeitern nur profitieren kann. Wer seine Mitarbeiter anständig bezahlt, muss keine Angst haben, dass sie sich nach zwei Jahren nebenan selbständig machen. Wer sie darüber hinaus auch mal belohnt und beispielsweise auf Firmenkosten zu einer nicht ganz billigen Fortbildung wie „Motorrad Total“ oder Ähnlichem schickt, kann sicher sein, dass der Angestellte sich immer stärker mit „seiner“ Fahrschule identifizieren und sich für sie einsetzen wird. Außerdem möchte ich allen jungen Kollegen raten, dem Fahrlehrerverband beizutreten. Der Verband ist nicht nur für Unternehmer da, sondern versorgt auch die Angestellten mit vielen wichtigen Informationen. Je mehr Angestellte Mitglied werden, umso größer ist auch unser Einfluss und die Chance, unsere Interessen wirksam zu vertreten.

FPX: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Interview: Jochen Klima

 

Günter Rau ist jederzeit
per E-Mail unter gjdrau@t-online.de oder
per Telefon unter 07331 / 66 614
zu erreichen.
Selbstverständlich kann auch über die Verbandsgeschäftsstelle in Korntal Kontakt mit ihm aufgenommen werden.

FahrSchulPraxis
Ausgabe April 2006

Erscheinungsdatum 15.04.2006

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